Was ist Stadtumbau West?
Der Stadtumbau ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, des Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW sowie der Stadt Gelsenkirchen. Er stellt eine Planungsstrategie zum Umgang mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen, demographischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und damit verbunden einem dauerhaften Überangebot baulicher Anlagen. Er nutzt Strategien der Stadtplanung und reagiert damit auf Probleme, die der demografische Wandel aufwirft.
Hauptfaktoren des Stadtumbaus sind:
- Der demographische Faktor: Eine ungleichmäßige Bevölkerungsentwicklung durch Sterbeüberschüsse und Wanderungsverluste und damit verbunden eine zunehmende Alterung der Gesellschaft ist die Folge. Hinzu kommt ein wachsender Anteil ausländischer Bevölkerung, konzentriert auf bestimmte Regionen.
- Der wirtschaftliche Faktor: Sinkende Kaufkraft der Bevölkerung in Folge der wirtschaftsstrukturellen Veränderungen erzeugt eine sinkende Nachfrage nach Konsumgütern. Als Ergebnis lassen sich Brachflächen und Leerstände im Handel, in anderen Dienstleistungssektoren und im produzierenden Gewerbe beobachten.
- Der wohnungswirtschaftliche und finanzielle Faktor: Bei insgesamt rückläufiger Nachfrage geben die Marktpreise von Grundstücken und Immobilien nach. Leerstände im gewerblichen Bereich und im Wohnungssektor sind in schrumpfenden Märkten zu beobachten.
- Der soziale Faktor: Gewachsene soziale Strukturen lösen sich auf: Arme und Reiche, Mobile und Immobile, Deutsche und Nicht-Deutsche streben räumlich auseinander.
Das Forschungsfeld
Im Jahr 2001 wurde das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" als Antwort auf den strukturellen Wohnungsleerstand in Ostdeutschland aufgelegt. Überwiegend sollen dort Maßnahmen und Projekte zum Rückbau von größeren Plattensiedlungen und zur Konzentration von Wohnungsbauinvestitionen auf die Altbauquartiere gefördert werden.
Vertreter der alten Bundesländer forderten schon bald, die Hilfen des "Stadtumbau Ost" auch auf ein Stadtumbauprogramm West zu übertragen - für Standorte, die strukturell ähnliche Merkmale aufweisen wie die sich wandelnden Ostkommunen. Die Ursachen der Schrumpfungsprozesse und ihre städtebaulichen, wohnungswirtschaftlichen und sozialen Folgen sollten im Osten wie im Westen gleich behandelt werden.
Die Bundesregierung reagierte zunächst mit Modellvorhaben im experimentellen Wohnungs- und Städtebau. Durch das Programm sollen die städtebaulichen Instrumente einschließlich der Städtebauförderung des Bundes auf deren Eignung überprüft, rückläufige Entwicklungen räumlich gesteuert und ggf. Empfehlungen zu deren Weiterentwicklung gegeben werden.
Diese Überprüfung erfolgt im Rahmen von Pilotprojekten. In 2002 wurden 11 Pilotstädte in ganz Westdeutschland (darunter Oer-Erkenschwick in Nordrhein-Westfalen) ausgewählt, um exemplarische und pilothafte Maßnahmen und Projekte in Schrum-pfungsregionen zu erproben. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auch auf die generelle Übertragbarkeit der vorgeschlagenen Handlungsansätze gelegt werden. Die Gebietskulissen des Stadtumbaus sind die "Wohngebiete im Wandel" (z. B. Bremen-Osterholz-Tenever, Schillerpark in Oer-Erkenschwick) und die "Städte im Strukturwandel" (z. B. Völklingen, Pirmasens).
Ausgangssituation für den
Stadtumbau in Gelsenkirchen
Als Teil des Ballungsraumes Rhein-Ruhr und der nördlichen Emscherzone befindet sich die Stadt Gelsenkirchen mitten im Strukturwandel. Dieser bereits in den 1960er Jahren begonnene Prozess spiegelt sich in einem seit dieser Zeit fast kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang von damals ca. 400.000 auf heute ca. 272.000 Einwohner und in einer hohen Arbeitslosenquote von derzeit rd. 26 % wieder. Aktuelle Bevölkerungsprognosen gehen von einem weiteren Bevölkerungsrückgang von bis zu 20.000 Einwohnern bis zum Jahr 2015 aus.
Die bundesweiten demographischen Entwicklungen (Sterbeüberschuss bzw. niedrige Geburtenrate, Zunahme des Anteils älterer und hochbetagter Menschen) sind in Gelsenkirchen durch den arbeitsplatzbedingten Wegzug junger Menschen in den siebziger und achtziger Jahren heute und in den nächsten Jahren besonders prekär, da diese Entwicklung die heutige Elterngeneration zusätzlich beschränkt. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund nimmt seit langem zu und führt in Verbindung mit einer verstärkten Ausdifferenzierung von Wohnlagen zu sozialen Konflikten in Teilbereichen der Stadt.
Um auf diese Problemlagen städtebaulich zu reagieren, wurde das Förderprogramm "Stadtumbau West" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und des Ministeriums für Bau und Verkehr des Landes NRW entwickelt, in dem Gelsenkirchen seit 2004 vertreten ist. Es stellt eine Planungsstrategie zum Umgang mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen, demographischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und damit verbunden einem dauerhaften Überangebot baulicher Anlagen dar.
Basierend auf einem gesamtstädtischen Entwicklungskonzept wird der Stadtumbau in Gelsenkirchen auf Grundlage eines kleinräumigen Handlungsansatzes und einer kleinräumigen Gebietsdefinition umgesetzt. Die wesentlichen Maßnahmen des Stadtumbaus sind dabei:
- nachfrageorientierte Qualitätsverbesserung im Bestand in Kombination mit der Konsolidierung des Wohnungsmarktes durch Rückbau nicht zukunftsfähiger Bestände;
- Aufwertung der langfristig zu erhaltenden Stadtquartiere und Wohnungsbestände und Stabilisierung innerstädtischer Altbaubestände;
- Anpassung der sozialen, kulturellen und technischen Infrastruktur an die veränderten Bedarfe;
- räumliche Steuerung der Neubauentwicklung auf innerstädtische Brachflächen, und
- Zwischennutzung von Flächen, die perspektivisch einer neuen Nutzung zugänglich sind.
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